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Mitteldeutsche Zeitung Halle 28.12.2004
Keine Angst vor Glamour
Julia Gröger: Halles Frauen unter die Haube

Halle/MZ. Die einen denken bei dem Wort Filz an grüne Försterhüte, die anderen an schwarze bayerische Polit-Spezis. Dass mit der alten und äußerst aufwändigen Textil-Technik des Filzens in Sachen Mode ganz verrückte Sachen zu machen sind - spricht sich dagegen erst ganz langsam herum.

"Mode soll ein bisschen ironisch sein - aber kein Zirkus."
Julia Gröger Designerin

Eine junge hallesche Designerin, die daran maßgeblichen Anteil hat, ist Julia Gröger. Für die aus St. Petersburg stammende Künstlerin, die in Halle an der "Burg" Mode studiert hat, ist die Verwendung von Filz inzwischen fast so etwas wie ein Markenzeichen. Ob bei großen Abendroben oder bei kleinen Schmuck-Stücken - fast überall lässt die 36-Jährige Filz-Elemente einfließen oder beschränkt sich bei ihren Objekten oft sogar vollständig auf dieses Material. Dessen Vorteil liegt für die Künstlerin buchstäblich auf der Hand: "Man kann es drücken und zerknüllen, es springt immer wieder in die alte Form zurück."
Julia Gröger fertigt Ringe, Ohrringe, Broschen und Anstecker, Hüte und Taschen aus Filz. Diesen Objekten sieht man freilich meist kaum an, aus welchem Material sie gemacht sind. Und vollends geheimnisvoll erscheinen die Produkte der Mode-Designerin, wenn sie - wie bei ihrer Diplomarbeit oder bei einem roten Hochzeitskleid - Filz sozusagen fließend in Seide übergehen lässt. Der Effekt ist enorm.
Doch während ganze Garderoben -hergestellt mit Julia Grögers kompliziertem und schwierigem Handarbeitsverfahren - natürlich sehr kostspielig sind, hat ihre Kunst bei den Hüten, Schleifen oder anderen Kopfschmuck-Teilen einen breiteren Erfolg. Mit Netzschleier, Strass, Seide oder Spitze kombiniert - kommen die Filzkappen der Hallenserin auf Messen und in Boutiquen inzwischen auch in Frankfurt, München oder Florenz gut an.
Wie sie auf das gekommen ist, was sie macht, ist nicht mit einem Satz beantwortet. Als gelernte Strickerin beherrscht und pflegt sie eine Reihe alter Textil-Verarbeitungsverfahren. Im genau kalkulierten Zusammenspiel der rustikalen und eleganten Ausstrahlung der von ihr verwendeten Materialien hat sie ihr Arbeitsprinzip gefunden.
Auch stilistisch ist sie sich ihrer speziellen Richtung längst gewiss: "Ich habe keine Angst vor Glamour, auch nicht vor Dekadenz". Der Chic der goldenen 20er Jahre ist für die Russin, die seit 14 Jahren in Halle lebt, nach wie vor das Maß der Dinge. "Mode", sagt die Burg-Absolventin, "soll ein bisschen ironisch sein - aber kein Zirkus".
Dieser Sicht von Julia Gröger schließen sich mittlerweile zunehmend modebewusste Frauen aus Halle an, die sie schon unter eine extravagante Haube gebracht hat. Der Mut zu solch eigenwilliger Eleganz habe sich in unserer Gegend aber erst in den letzten Jahren entwickelt. Mit ihren Hüten stellt sich Julia Gröger am Silvesterabend in der neuen Messe in Bruckdorf einer größeren Öffentlichkeit vor -passend zum Thema der dortigen Party, die als Hutball mit Hutzwang deklariert ist. Wer dahin noch unbehütet geht, dem kann von Julia Gröger geholfen werden. (Detlef Färber)

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